23 Dez

Olivia aus der Wüste Harda!

Olivia beobachte aus dem Schatten heraus die beiden Stände. Sie ließ den alten Mann nicht aus den Augen, während er scheinbar in Tagträumen versank. Ihr Magen knurrte und sie schaute sich vorsichtig um.
Wenn Jeleg, dieser verdammte Kruth seinen Stand nicht direkt neben dem alten Feigenverkäufer hätte, würde mein Magen nicht mehr knurren.
Der kleine Mann, der scharfe Schoten und in Pfeffer geröstetes Schlangenfleisch mit verschiedenen Soßen feilbot, war derjenige vor dem sie Angst hatte. Denn seine Augen waren flink und seine sehnigen Arme stark. Und er hatte keinen Skrupel, einen Dieb an die Stadtwache auszuhändigen, die mit ihren krummen geschwungenen Säbeln für Recht und Ordnung sorgten. Olivia hatte das Gefühl, dass Jeleg Freude daran hatte die Wüstennattern beim Stehlen zu erwischen. Er war grausam und seine kalten dunklen Augen und sein gewinnendes Lächeln, mit den makellosen Zähnen betrogen Käufer. „Ein Lächeln aus Stahl.“, erinnerte sie sich an die Worte der alten Schi.
Olivia wartete ungeduldig auf ihre Gelegenheit, während ihr Magen vor Hunger, wie ein Raubtier grollte. Sie musste aufpassen, denn in den letzten Yardas war es noch schwieriger geworden zu stehlen. Die Stadtwachen waren aufmerksamer als sonst und die reichen schwarzen Tith umgaben sich mit noch mehr Wachen als vorher. Man konnte ihnen nicht mehr die Beutel aufschneiden oder Schmuck von den Handgelenken rauben, weil die Wachen alles sahen. Wie eine Katze war Olivia durch die Stadt geschlichen, hatte vielen beunruhigenden Gesprächen gelauscht, wurde mehrmals von Wachen verscheucht und lauerte nun hungriger als am Morgen darauf, dass Jeleg abgelenkt sein würde.
Ein kleiner Lufthauch pustete heiße Luft durch die Gasse, wirbelte Staub auf, der aus der Wüste kam, die Stadt umgab und sich auf alles legte. Je länger die große Hitze andauerte, umso dichter hing der Staub über der Stadt. Und der Staub lag bereits auf allem. Die Häuser und Mauern, selbst die Bäume bekamen einen sandfarbenen graugelben Anstrich. Doch es war nicht die Hitze, die sich wie eine geballte Spannung auf alles legte. Etwas ging vor sich in der großen weiten Welt.
Olivia musste an die Schauergeschichten der alten Schi denken und die Worte des Tith, bevor die Wachen sie verscheucht hatten. Die goldene Zeit näherte sich dem Ende.
Doch all diese Gedanken konnten nicht den Hunger vertreiben. Die Sonne erreichte ihren Zenit, als sich langsam eine schmale Sänfte aus der gegenüberliegenden Gasse schälte. Olivia pochte das Herz bis zum Hals. Vielleicht habe ich heute doch Glück.
Sie beobachtete jede Regung der vier muskulösen Sklaven, mit bronzefarbenden Nasenringen und Schnitten in den Wangen, die einen reichen Tith in einer Sänfte trugen. Nur mit einem Lendenschurz bekleidet, lief ihnen der Schweiß in Strömen den durchtrainierten Körper hinab. Ihre Sehnen am Hals traten deutlich hervor und sie wirkten müde. Sorgen bereiteten Olivia die drei Sklaven, die der Sänfte mit dem schweren Schritt starker Männer folgten und mit wachem Blick die Umgebung musterten. Sie musste eine schwerwiegende Entscheidung treffen. Noch einmal warf sie einen Blick auf die drei Sklaven und wusste im gleichen Augenblick, dass sie ihr keine Probleme bereiten würden.
Jeleg hatte als erster die Sänfte entdeckt und richtete seine Aufmerksamkeit in ihre Richtung. Weg von Olivia. Etwas ließ sie zögern. Sie atmete einmal tief durch und schob sich aus dem Schatten der Gasse. Etwas kratzte in ihrem Hals und das unangenehme Gefühl in der Magengegend wollte nicht verschwinden. Sie schob es auf den Hunger und näherte sich mit der Eleganz einer Wassertänzerin dem Stand des alten Feigenhändlers. Ihre hübsche magere Gestalt fiel kaum auf. Die Sänfte hielt bei Jeleg. Das Lächeln aus Stahl erschien.
„Schnell wie eine Schlange und dabei unsichtbar wie ein Geist“, sagte die alte Schi immer.
Ihre Hände zuckten vor, die Augen auf Jeleg gerichtet aus dem Augenwinkel sah die den Gemüsehändler. Von ihr abgewandt. Ihre Hand füllten sich mit Feigen. Ein Lufthauch brachte den durchscheinenden Stoff der Sänfte in Bewegung und Olivia erstarrte. Der Tith schaute sie geradewegs an. Wie ein Raubtier, saß er unbewegt dort und musterte sie. Ein Schatten fiel über Olivia. Nein. Sie zuckte und eine starke Hand griff nach ihrem Arm…
-Ein Ausschnitt aus dem zweiten Band “Das Tr’aww’alying der sieben Völker”

Du willst wissen wie es weitergeht? Dann folge dieser Seite!
Du willst wissen was vorher geschah? Dann kaufe dir den ersten Band! Hier erhältlich und überall wo es Bücher gibt:

http://www.amazon.de/Im-Lande-Araga-Geheimnis-Elfen/dp/300044100X/ref=sr_1_cc_1?s=aps&ie=UTF8&qid=1417552016&sr=1-1-catcorr&keywords=im+lande+araga